Solarthermische
Kollektorfelder als Ergänzung zu fossilbefeuerten Kraftwerken
Rüstet man ein bestehendes oder neues fossilbefeuertes Kraftwerk mit einem Kollektorfeld aus, dann spricht man von einem so genannten solaren Add-On.
Solare Add-Ons sind ein Untergruppe der hybriden Kraftwerke, in denen gleichzeitig sowohl fossile als auch regenerative Energien zur Stromerzeugung genutzt werden. Der Effekt ist, dass im fossilbefeuerten Kessel des Kraftwerks weniger Brennstoff verbrannt werden muss, um die gleiche Menge an Elektrizität zu erzeugen. Man spricht im Englischen auch von so genannten Fuel Saver Anlagen.
Ein solarthermisches Add-On ist prinzipiell ein Kollektorfeld, welches heißes Wasser oder Dampf produziert und diesen in den Wasser/Dampf-Kreislauf des (existierenden) fossilen Kraftwerks einspeist.
Ein in 2005 veröffentlichter Report
für die Weltbank bescheinigt diesem Konzept gute Eignung zur Markteinführung
von solarthermischen Kollektoren zur Stromerzeugung sowie auch gute
energetische Wirkungsgrade.
Auch innerhalb des Kompetenznetzwerk Kraftwerkstechnik NRW findet dieses Konzept Interesse. Ein namhafter deutscher Kraftwerkhersteller denkt sogar daran, solarthermische Add-Ons als künftige Standardoption für Kohlekraftwerke in sonnigen Regionen anzubieten.
Das erste Kollektorfeld, das später
als solares Add-On zu einem fossilbefeuerten Kraftwerk dienen soll,
wurde Mitte 2004 durch Solar Heat and Power Pty. Ltd. in Betrieb
genommen. Es hat eine Nennleistung von 1 MWth
und wird an einem 500 MW Block des Kohlekraftwerks Liddell in New
South Wales in Australien angeschlossen sein. Die Ergebnisse der
Kollektor-Testphase waren so gut, dass der Kunde, der größte australische
Kraftwerksbetreiber Macqarie Generation die Erweiterung des Feldes
auf die 15-fache Größe und den Anschluss an das Kraftwerk in Auftrag
gegeben hat.
Das Team der Sustainable Heat & Power Europe
GmbH mit ihrem Erfahrungsschatz aus der konventionellen Kraftwerksbranche
sieht das Add-On Konzept als den logischen Weg an, die Technologie
zur Nutzung von Solarenergie in die großtechnische Stromerzeugung
einzuführen. Die Risiken für den Kraftwerksbetreiber sind minimal.
Auf der anderen Seite können eine Menge Synergieeffekte genutzt
werden, wenn die junge Solartechnik mit der etablierten Kraftwerksindustrie
zusammenarbeitet.
 Courtesy of Solar Heat and Power Pty. Ltd.
Anwendungsbereiche
Das Konzept der solarthermischen Add-Ons
ist hauptsächlich auf die gewaltige Flotte existierender fossiler
Kraftwerke ausgerichtet, die gemäß ihrer technischen Lebensdauer
noch 2 Dekaden betrieben werden sollen. Man stelle sich nur alle
gas- oder ölbefeuerten Kraftwerke im Nahen Osten vor, oder die Menge
an Kohlekraftwerken in anderen sonnigen Gebieten der Erde. Ob wir
es in Mitteleuropa wollen oder nicht, diese Kraftwerke werden in
den Schwellenländern allein wegen fehlender Liquidität für Ersatzmaßnahmen
weiterbetrieben werden und nicht durch effizientere oder gar rein
regenerative Kraftwerke ersetzt werden. Solare Add-Ons bieten den
betroffenen Ländern eine ideale Lösung, bei geringer Investion Emissionen
und Brennstoff kosten einzusparen (und zusätzliche Spitzenleistung
zu gewinnen).
Add-Ons können für eine Vielzahl von
Anwendungen vorgesehen werden. Diese Unterscheiden sich hauptsächlich
im Verhältnis zwischen solarer und fossiler Energie sowie der Position
der Einspeisung in den Wasser/Dampf-Kreislauf = das benötigte Druck/Temperatur-Niveau
des solaren Dampfes bzw. Druckwassers.
Das einfachste und momentan kosteneffektivste
Konzept ist es, die aus der Turbine zur Vorwärmung des Speisewassers
entnommene Energiemenge zu reduzieren und mit solarer Energie zu
ersetzen. Dies hat 2 Effekte auf das Kraftwerk: a) die spezifischen
Emissionen pro kWh erzeugten Stroms werden geringer, da ein Teil
des Brennstoffs durch die CO2-freie Solarenergie
ersetzt wird, und b) die Spitzenlastfähigkeit des Kraftwerks wird
größer. Letzterer Effekt beruht darauf, dass durch das Schließen
oder Androssseln der Dampfentnahmeleitung an der Hochdruck-Turbine
mehr Dampf in der Turbine zur Verfügung bleibt und somit auch durch
die nachfolgenden Mittel- und Niederdruckstufen der Turbine strömen
kann. Dort erzeugt dieser sonst nicht verfügbare Dampf eine zusätzliche
Menge Strom.
Es ist unsere feste Überzeugung, dass
die solarthermische Stromerzeugung in den nächsten Jahren in andere,
anspruchsvollere Anwendungen in Dampfkraftwerken wachsen wird. Dies
wird die solare Erzeugung von Sattdampf auf Mittel- und Hochdruckniveau
(330°C/ 130 barg) und schließlich auch die Bereitstellung von überhitztem
Dampf auf dem Niveau moderner Kraftwerke (585°C / 270 barg) sein.
Produkt/System
Das Kollektorfeld-Design und die angewandte
Kollektortechnologie hängt hauptsächlich vom benötigten Temperatur/Druck-Niveau
des Betriebsmediums am Austritt des Kollektors ab. Als überschlägige
Regel sind Fresnel Kollektoren auf dem momentanen Entwicklungsstand
am besten für niedrige und mittlere Temperaturen (bis ca. 300 °C)
und Parabolrinnen für mittlere Temperaturen (330 °C bis ca. 400
°C) geeignet. Stark konzentrierende Systeme wie Dish und Solarturmkonzepte
sind gegenwärtig die einzigen Möglichkeiten, die in modernen und
geplanten Kraftwerken benötigten hohen Frischdampf-Temperaturen
(über 600 °C) zu erreichen.
Kraftwerksbetreiber denken aufgrund
ihrer Aufgabe, die Versorgungssicherheit zu allen Zeiten zu gewährleisten,
in der Technologiewahl zu Recht sehr konservativ und risikoscheu.
Dieser Ansatz muss auch und gerade bei solaren Add-Ons befolgt werden.
Die Integration und der Betrieb des Solarkollektorfelds darf also
weder die bestehenden Installationen gefährden, noch darf es zu
Einschränkungen oder Risiken für die Betriebsführung des Kraftwerks,
dessen Verfügbarkeit und insbesondere dessen Zuverlässigkeit kommen.
Bis jetzt können nur Fresnel-Kollektoren, die für die Speisewasservorwärmung
vorgesehen sind, diese Eigenschaften erfolgreich nachweisen.
In der Sustainable Heat & Power Europe GmbH verfolgen
wir den Ansatz „das einfache zuerst“. Daher ist unser
momentanes Fokus ein Fresnel Kollektorfeld zur Speisewasservorwärmung
bis ca. 290 °C, Dies ist im Hinblick auf die gewaltige Menge
an möglichen Kraftwerkserweiterungen allein für diese
solare Speisewasservorwärmung bereits ein sehr gewaltiger Markt.
Da der Kollektor aber in der Lage ist, Sattdampf auf diesem Temperaturniveau
zu liefern, kann das Solarfeld auch als Dampferzeuger für Mitteldruckdampf
bei ca. 70 barg genutzt werden, sofern das Kraftwerk diese Druckschiene
besitzt.
Vorteile
Entscheidet sich ein Kraftwerkbetreiber
für ein solares Add-On, so erntet er verschiedene Vorteile. Mit
der solaren Koppelung werden nicht nur die Emissionen an CO2
und anderen Abgasen reduziert, auch die Brennstoffmenge und die
Kosten nehmen ab. Hinzu kommt, dass die solare Energie die Spitzenlastfähigkeit
des Kraftwerks erhöht. Dies insbesondere in Zeiten, in denen am
Netz der höchste Bedarf an Strom vorliegt. Dieser wird in den südlichen
Ländern häufig durch den Einsatz von Klimaanlagen hervorgerufen,
so dass es eine hervorragende Korrelation zwischen Lastanfall und
verfügbarer Energie gibt. Der Kraftwerksbetreiber wird mit einem
solaren Add-On also teilweise entlastet, Spitzenlast mit teuren
Diesel- oder Heizöl-befeuerten Generatoren zu erzeugen oder wertvolle
Wasservorräte aus Speicherkraftwerken zu entnehmen. In einem deregulierten
Markt kann er zudem mehr Strom zu einem höheren Erzeugerpreis an
den Netzbetreiber verkaufen.

Die obigen Vorteile können nachvollziehbar
mit festen ökonomischen Größen bewertet werden, ohne dass der Betreiber
sich Nachteile durch das Add-On einhandelt. Bei der solaren Speisewasservorwärmung
sind nur minimale Änderungen am bestehenden Kraftwerk notwendig.
Flexibilität in der Betriebsführung, thermischer Wirkungsgrad, Verfügbarkeit
und Zuverlässigkeit bleiben auf dem Niveau von vor dem Umbau, wenn
nicht gar höher.
Markt/Unterstützung/Finanzielle Aspekte
Solarthermische Add-Ons führen zu mindestens
3 zusätzlichen Einnahmequellen bzw. Einsparpotenzialen:
- Erzeugung und Verkauf von CO2 Emissionsgutschriften (z.B. „CER“ oder „ERU“) oder die Möglichkeit nicht mehr benötigte CO2 Emissionszertifikate (z.B. sog. EU-Allowances) zu verkaufen
- Reduzierung der Brennstoffkosten
- Verkauf von zusätzlichem Spitzenlaststrom bzw. Reduktion der Laufzeit von Dieselgeneratoren, offenen Gasturbinen sowie Entnahmen aus Speicherkraftwerken
- Erzeugung und Verkauf von Zertifikaten für regenerativ erzeugten Strom in Märkten mit pönalisierten vorgeschriebenen Mindestanteilen an „grünem“ Strom am Elektrizitätsmix.
- Möglichkeit des Verkaufs von „grünem“ Strom als hochklassiges Produkt für bestimmte Endkundengruppen
Unglücklicherweise reichen die ersten 3 der obigen Elemente nicht aus, die noch vorhandene Kostenlücke zwischen fossiler und solarer Energie zu überbrücken. Es muss klar gesagt werden, dass der Emissionshandel bei den momentan vorherrschenden Zertifikatpreisen noch nicht ausreichend ist, die ökonomische Machbarkeit für den Betreiber darzustellen.
Die Markteinführung muss daher unterstützt
werden durch den Zugang zu günstigen Krediten und Zuschüssen, wie
etwa für die momentan laufenden solarthermischen Kraftwerks-Projekte
der Weltbank Global Environment Facility vorgesehen. Oder der Betreiber
wird berechtigt, für den solaren Anteil der Stromerzeugung im Kraftwerk
eine höhere Vergütung zu erlangen, wie dies in einigen Ländern für
rein solar erzeugten Strom möglich ist. Leider wurde eine solche
anteilige Vergütungsmöglichkeit bisher von den Festtarifsystemen
für regenerativen Strom , die in Südeuropa gelten, ausgeklammert.
Die kostengünstigste Lösung zur Einführung von Solarenergie in die großtechnische Stromerzeugung benötigt dabei eine weitaus geringere Anschubfinanzierung als alle anderen solaren Optionen. Hier sind die Gesetzgeber aufgefordert zu handeln und diese Hürde zu beseitigen. Mit zunehmendem Marktvolumen, technischem Fortschritt und sinkenden Kollektorkosten ist eine spezielle Unterstützung nur temporär erforderlich.
Unser Service
Unterstützt durch ein Netzwerk an regionalen
und internationalen Kooperationspartnern und Lieferanten mit dem
notwendigen technischen Know-how kann Sustainable Heat & Power Europe
GmbH die folgenden Dienste und Lieferungen anbieten:
- Machbarkeitsstudien und Analysen
des solaren Erzeugungspotenzials, der optimalen technischen Konfiguration
und der Wirtschaftlichkeit von solaren Add-Ons
- Basis und Detail-Design des solaren
Add-On Systems inklusive der Änderungen an den vorhandenen Kraftwerksinstallationen
- Projektmanagement während der
Lieferung und Installation des Solarkollektorfelds und der Einbindung
in das bestehende Kraftwerk
Beispiel
Das folgende Beispiel wurde im Rahmen
des World Renewable Energy Congress in Aberdeen im Mai 2005 vorgestellt.
Es zeigt die Ergebnisse der ersten Phase einer Studie, die dem portugiesischen
Kraftwerksbetreiber EdP von Sustainable Heat & Power Europe GmbH
gemeinsam mit Koch do Portugal vorgeschlagen wurde.
Ziel der Studie ist es, die technische und ökonomische Machbarkeit eines Solarfelds zur Speisewasservorwärmung am Kohlekraftwerk Sines darzulegen. Hierzu wurde ein Lösungsansatz gewählt, in dem die erprobte Fresnel Kollektortechnologie angewandt wird.

Das Sines Kraftwerk besteht aus 4 Blöcken
mit einer Leistung von jeweils 314 MVA. Das Temperaturniveau des
letzten HD-Speisewasservorwärmers liegt bei 228°C und die Kesseleintrittstemperatur
beträgt 258°C. Dies ist sehr ähnlich dem Anwendungsfall in Kohlekraftwerk
Liddell in Australien.
Beschränkender Faktor für die Kollektorkapazität in Sines ist die verfügbare freie Fläche innerhalb des Kraftwerkzauns. Sie beträgt ca. 30.000 m², so dass die thermische Nennleistung des Kollektors ca. 11,5 MWth betragen wird.
Die obige Leistung korreliert mit einer
elektrischen Kapazität von ca. 3,5 MW. Hierfür sind inklusive der
Umbau- und Verbindungsarbeiten am bestehenden Kraftwerkblock ca.
3,3 Mio € Investition zu tätigen. Auf Basis der verfügbaren Solarstrahlungsdaten
würde der Kollektor damit ca. 3 GWh Strom pro Jahr erzeugen und
ca. 1.600 t an CO2-Emissionen vermeiden.
Wenn der Portugiesische Tarif für photovoltaisch
erzeugten Strom (ca. 28 c/kWh) auf die obige Energiemenge Anwendung
finden würde, beträgt die Amortisationszeit der Installation weniger
als 4 Jahre! Dies ist natürlich sehr attraktiv für einen Stromerzeuger,
der in erneuerbare Energien investieren muss und will.
Natürlich ist die Kollektorausbeute
unter besseren solaren Bedingungen wie etwa in Nordafrika oder im
Nahen Osten erheblich größer. Sie kann dort bis zum Doppelten der
portugiesischen Performance ansteigen. Folglich sind die Stromgestehungskosten
für diese Anlagen dort erheblich niedriger. In einer gemeinsamen
Studie des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme und E.On
wurden die Stromgestehungskosten für die solare Speisewasservorwärmung
mittels Fresnel Kollektor für ein ägyptisches Kraftwerk mit nur
5-6 c/kWh kalkuliert. Dies ist sogar günstiger als Windenergie an
den meisten Standorten ist!
Courtesy of Solar Power Group GmbH
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