Der Bedarf an thermischer Energie im Industriesektor der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-27) lag 2007 bei 2.600 TWh (Quelle: Eurostat). Dies entspricht 69,3 % des gesamten Energiebedarfs und ist somit in etwa doppelt so hoch wie der Bedarf an elektrischer Energie. Ein Großteil dieses Wärmebedarfs wird auf einem Temperaturniveau von unter 400 °C gebraucht. Es ist davon auszugehen, dass sich in den Zielländern für solarthermische Anwendungen die Situation in der Industrie nicht wesentlich vom europäischen Durchschnitt unterscheidet.
Prozessdampf für industrielle Anwendungen ist üblicherweise Sattdampf. Die Erzeugung und Verteilung erfolgt auf einem Druckniveau, welches von der erforderlichen Sattdampftemperatur bestimmt wird, die der höchsten im System benötigten Temperatur entspricht. Dieser Dampf wird entweder direkt in einem fossil-befeuerten Kessel erzeugt, oder bei einer KWK-Konfiguration (Kraft-Wärme-Kopplung) einer Dampfturbine entnommen. In dem Fall beliefert der Kessel eine Dampfturbine oder einen Dampfmotor und der benötigte Prozessdampf wird dann entweder als Abdampf einer Gegendruckturbine bereitgestellt oder/und auf einem höheren Druckniveau als Entnahmen oder Anzapfungen an der Turbine.
In beiden Fällen kann der fossile Kessel zumindest teilweise durch ein solarthermisches Kollektorfeld ersetzt werden und evtl. sogar komplett, wenn ein geeigneter thermischer Speicher eingesetzt wird. Der solar erzeugte Dampf kann somit die wertvollen fossilen Brennstoffe komplett ersetzen. Zumindest aber kann fossile Energie eingespart werden, was den CO2-Ausstoss und damit den Carbon-Footprint der produzierten Güter reduziert.
Prozessdampf erfüllt in verschiedenen Industriezweigen (z.B. der chemischen Industrie, im Bergbau, bei der Lebensmittelverarbeitung oder der Textilindustrie) wesentliche Funktionen bei einer großen Anzahl von Anwendungen:
Solarer Prozessdampf bietet zahlreiche Vorteile. Er kann leicht in bestehende Anlagen integriert werden, sofern ausreichender Platz für die Installation der Solarkollektoren auf dem Dach oder unmittelbarer Nähe vorhanden ist. Die Integration in das Dampfversorgungssystem ist einfach und die bestehende Infrastruktur (Kessel, etc.) garantiert eine störungsfreie Versorgung mit Prozessdampf, auch in Zeiten mit unzureichender solarer Einstrahlung. Solarer Dampf reduziert den fossilen Brennstoffverbrauch und damit auch die CO2-Emissionen in Industriebranchen mit hohem Energiebedarf. Dadurch wird der Carbon-Footprint der produzierten Güter verringert. Durch die Kombination mit einer Dampfturbine kann der solare Dampf zuerst zur Stromerzeugung genutzt werden, um dann den notwendigen Prozessdampf aus dem Abdampf oder Anzapfungen zu entnehmen. Dieser Kraft-Wärme-Kopplungs-Ansatz bietet dem Betreiber interessante wirtschaftliche Vorteile.
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